Geschichte der Weltfestspiele

Zehntausende Jugendliche haben seit 1945 an diesen internationalen Treffen teilgenommen und für Frieden und Solidarität gestritten, gefeiert und gekämpft. Immer wieder standen dabei die zahlreichen Kämpfe der Jugend der Welt gegen den Imperialismus im Mittelpunkt: ob in den sozialistischen Ländern, oder in den Kämpfen für die nationale Befreiung, ob in den Ländern, die unter faschistischen Diktaturen litten oder die Jugend aus den imperialistischen Zentren. Geeint hat der Kampf um die Rechte der Jugend und für eine bessere Zukunft.

Gründung des WBDJ

Der Weltbund der demokratischen Jugend (WBDJ), als Initiator der Weltfestspiele der Jugend und Studierenden, wurde am 10. November 1945 gegründet. Um die Gründung und Zielsetzung des WBDJ zu verstehen, muss man diese im Zusammenhang mit den historischen Umständen betrachten: Der Zweite Weltkrieg war gerade ein halbes Jahr beendet – dem vom faschistischen Deutschland verursachten Krieg fielen mehr als 55 Millionen Menschen zum Opfer. Wichtige Ereignisse, die der Gründung des WBDJ vorausgegangen waren, sind der Schwur von Buchenwald und das Potsdamer Abkommen. Das Potsdamer Abkommen (August 1945) war das zentrale politische Abkommen der vier Alliierten. Nach Krieg, Tod und Vernichtung durch den deutschen Faschismus sollte durch die Beschlüsse des Potsdamer Abkommens verhindert werden, dass sich solche Verbrechen wiederholen können. Die Kernpunkte waren dementsprechend: Demilitarisierung, Entnazifizierung, Zerschlagung der Großkonzerne und Demokratisierung. Diese Ansätze sollten die Neuordnung der deutschen Gebiete auf einer antifaschistisch-demokratischen Grundlage gewährleisten (Anm. der Red.: siehe hierzu auch den Schwerpunkt der Ausgabe #2/2010 der POSITION).

In Solidarität mit den Opfern des deutschen Faschismus drückt der Schwur von Buchenwald das Selbstverständnis des WBDJ und der Weltfestspiele aus: „Die Vernichtung des Nazismus mit seinen Wurzeln ist unsere Losung, der Aufbau einer neuen Welt des Friedens und der Freiheit ist unser Ziel. Das sind wir unseren gemordeten Kameraden, ihren Angehörigen schuldig.“ Auf der Weltjugendkonferenz (31.10. – 10.11.1945 in London) wurde der WBDJ gegründet. Seine Gründung folgt den Erfahrungen des Kampfes gegen den Faschismus und der Notwendigkeit, einen weltweiten Zusammenschluss zum Erfahrungsaustausch, zur Diskussion und für die gemeinsame politische Arbeit zu bilden. In der Gründungsurkunde heißt es entsprechend: „Er ist eine Organisation der Jugend, die sich in ihrer Entschlossenheit vereinigt hat, für Frieden, Freiheit, Demokratie, Unabhängigkeit und Gleichberechtigung überall in der Welt zu arbeiten.”

Wiederaufbau und Frieden

Die Idee, ein Jugendfestival aller Kontinente zu organisieren, wurde bereits kurz nach der Gründung des WBDJ geboren, um die im Zweiten Weltkrieg entstandene Einheitsfront und die Gemeinsamkeiten auch unter den neuen Verhältnissen zu demonstrieren. Hieraus entstanden die Weltfestspiele der Jugend und Studierenden. Im Sommer 1947 trafen sich Jugendliche aus 72 Ländern unter der Losung „Die Jugend hilft durch internationale Freundschaft und Wiederaufbau bei der Errichtung des Friedens” im noch vom Krieg und deutscher Besatzung zerstörten Prag zu den 1. Weltfestspielen. Zum Programm gehörte auch ein Besuch in dem von deutschen Faschisten völlig zerstörten Dorf Lidice, dessen Einwohner in einer sog. Vergeltungsmaßnahme ermordet wurden.

Zahlreiche Persönlichkeiten des antiimperialistischen Kampfes nahmen im Laufe der Zeit an den Festivals teil: Yassir Arrafat für die PLO aus Palästina, Luis Corvalan, der Vorsitzende der KP Chiles, der den faschistischen Folterern entkommen ist, Angela Davis, Mitglied der KP der USA, Fidel Castro und Hugo Chavez, um nur einige wenige zu nennen. Daneben traten viele internationale Künstler und Sportler auf.

Weltfestspiele 1973 in der DDR

Weltfestspiele 1973 in der DDR

Unterstützung aus der DDR – Verfolgung in der BRD

Mit der Schaffung von zwei deutschen Staaten mit unterschiedlichen Gesellschaftssystemen wurden auch die Weltfestspiele unterschiedlich gefördert. Die BRD strebte einen Weg hin zu einer „normalen, kapitalistischen Demokratie“ an und wurde durch die Weltfestspiele an eine ungeliebte Vergangenheit erinnert. Die DDR hingegen machte den Antifaschismus zur Staatsaufgabe, trat für Frieden und Völkerfreundschaft ein und unterstützte aktiv die Weltfestspiele. Die ersten Weltfestspiele in der DDR fanden 1951 in Ost-Berlin statt. Zu dem Treffen kamen 26.000 Teilnehmer aus 104 Ländern. Die am 24. April 1951 als „verfassungsfeindlich“ in der Bundesrepublik Deutschland verbotene FDJ rief zur Teilnahme an den Weltfestspielen auf. Jugendliche wurden durch Bundesbehörden teilweise an der Ausreise und damit an der Teilnahme gehindert. Bis zum 28. Juli 1951 wurden über 6000 FDJler von der Grenze zwangsweise zurück in ihre Wohnorte gebracht.

Transportunternehmen, die Aktionen der verbotenen West-FDJ unterstützten, wurden mit Strafen bedroht. Allein in Niedersachsen wurden 10.000 Polizeibeamte in Alarmbereitschaft versetzt. Trotzdem nahmen mehrere zehntausend junge Menschen aus der BRD und aus West-Berlin am Festival teil.

Nach der Konterrevolution

Während an den Weltfestspielen in ihren Hochzeiten bis zu 34.000 Jugendliche teilnahmen und so beeindruckende Zeichen gegen Faschismus und Krieg gesetzt werden konnten, sah es nach der Konterrevolution in den sozialistischen Ländern eher schlecht aus. Es stand zu befürchten, dass diese große Tradition für längere Zeit unterbrochen wird. Aber 1997 lud das sozialistische Cuba die Jugend zum 14. Festival ein und damit war die Tradition gerettet. Die Bereitschaft Cubas, trotz der existierenden wirtschaftlichen Schwierigkeiten, die 14. Weltfestspiele auszurichten, reiht sich in die Tradition des Internationalismus Cubas ein: Seit 1959 haben viele Zehntausende Männer und Frauen aus Cuba an Projekten der internationalen Solidarität teilgenommen. Lehrerinnen und Lehrer zur Bekämpfung des Analphabetentums in Nicaragua, Militärberater und Soldaten zur Unterstützung des Kampfes Angolas gegen die Truppen und Verbündeten des südafrikanischen Rassistenregimes.

Diese Politik war immer bestimmendes Prinzip in Cubas Außenpolitik – trotz der seit Beginn der 60er Jahre anhaltenden militärischen Bedrohung durch den US-Imperialismus und trotz der Versuche, Cuba politisch zu isolieren und wirtschaftlich auszuhungern. 2001 folgte dann Algerien und für 2005 bot sich nun die Jugend Venezuelas als Gastgeber an. 17.000 Jugendliche aus 144 Ländern der Welt nahmen damals an den 16. Weltfestspielen in Venezuela teil.

Björn, Stuttgart
Dieser Artikel erschien in POSITION – Magazin der SDAJ #3/2010.

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